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Rückblicke

NASCAR Saison 1969 – Neue Fahrergewerkschaft und Streikbereitschaft

Im Jahr 1961, traf sich NASCAR Fahrer Curtis Turner mit einigen Gewerkschaftsbossen, die seine von ihm gegründete Federation of Professional Athlets, unter das Dach ihrer starken Transportarbeitergewerkschaft zu bekommen. Ihre Vorstellungen schienen ihn zu überzeugen, und innerhalb einer Woche gab er eine Anzahl Erklärungen zum Thema Fahrergewerkschaft ab. Seine Ziele waren: mehr Preisgelder, Versicherungsschutz, Pensionspläne, Stipendien für Kinder verstorbener Fahrer und bessere Fahrerversorgung an den Strecken. Turner’s Ideen fanden bei seinen Fahrerkollegen viel Beifall, aber er machte eine Reihe von Fehlern. Eine Forderung der Gewerkschafter, die er zu vertreten hatte, war die Einführung von Wettbüros an den Strecken. Er stand damit einer großen Anzahl von Traditionalisten gegenüber, die lieber sterben wollten, als den Stock Car Sport dem organisierten Spiel zu überlassen. Daneben behauptete Turner schon sehr früh, das eine Mehrheit der Fahrer bereits den Aufnahmeantrag unterzeichnet hätten, obwohl das nicht der Wahrheit entsprach. Gleichzeitig öffnete er seine Gewerkschaft auch für Fahrer von „feindlichen“ Rennserien und wurde so einsames Opfer der Attacken von NASCAR Präsident Bill France. Als er die Hilfe seiner Fahrerkollegen am nötigsten brauchte, blieb nur noch Tim Flock auf seiner Seite. Turner und Flock wurden auf Lebenszeit suspendiert und die FPA ging zu Grunde.

Nun im August 1969 gab es einen weiteren Versuch einen Fahrerverband zu gründen. Angeführt von Superstar Richard Petty, der die Créme der Stock Car Fahrer um sich gescharrt hatte, diskutierte man diesmal hinter verschlossenen Türen. Am Abend des 14. August, drei Tage vor dem ersten Yankee 600 auf Michigan International Speedway, trafen sich elf Fahrer in Ann Arbor, Michigan. „Elf von uns, alles Fahrer, waren bei der Gründung dabei,“ sagte Petty. „Es war eine Idee, mit der viele andere schon lange Jahre geliebäugelt hatten. Wir kamen in dieser Nacht in Michigan zusammen, und waren uns einig.“ Am Ende des Meeting war die Professional Drivers Association geboren. Die Hauptziele der PDA waren mit den ehemaligen Forderungen von Turner’s FPA identisch. „Es ging um Renten- und Krankenversicherungen, sowie menschenwürdige Einrichtungen für Fahrer und Crew-Mitglieder auf den Rennstrecken,“ erzählte Richard Petty.

All diese Neuigkeiten drangen nicht nach außen. Niemand wusste etwas von dem Treffen in Michigan, oder den Gesprächen die dort geführt worden waren. „Bevor wir an die Öffentlichkeit gingen“, begründete Petty, „wollten wir so viele Fahrer wie möglich als Mitglieder rekrutiert haben, um wirklich für Alle sprechen zu können. Zuerst bemühten wir uns um die Grand National und Grand Touring Fahrer. Die Sportsman und Modified Fahrer sollten zu einem späteren Zeitpunkt dazu kommen. Zukünftig wollten wir für alle Profifahrer offen sein.“ Petty wurde zum Präsidenten der Professional Drivers Association gewählt, mit Cale Yarborough und ElmoLangley als Stellvertreter. Im Vorstand saßen Bobby Allison, Buddy Baker, LeeRoy Yarbrough, David Pearson, Pete Hamilton, Charlie Glotzbach, Donnie Allison und James Hylton. Alle Stars des Grand National waren vertreten, mit Ausnahme von Bobby Isaac. Er war über das Treffen nicht informiert worden. Einige Gründungsmitglieder meinten, das man Isaac, einem Eigenbrötler, nicht vertrauen könne. Auch später zeigte Isaac nie Interesse, Teil der Fahrervereinigung zu werden.

Rechtlich wurde die PDA von Lawrence Fleisher, einem bekannten New Yorker Anwalt vertreten. Fleisher, der auch schon andere Sportler und ihre Organisationen leidenschaftlich unterstützt hatte, war in diesem Job kein Anfänger. Petty, Yarborough und Langley traten ein paar Tage vor dem Start zum Southern 500 in Darlington erstmals vor die Presse. Bill France konnte dergleichen Überraschungen überhaupt nicht leiden. „NASCAR hat sich sehr großzügig dieser Gruppe von Leuten gezeigt,“ betonte er. „Einige dieserKollegen sind bekannte Stars geworden und haben scheinbar vergessen, wem sie das alles zu verdanken haben. Ich weiß überhaupt nicht, was LeeRoy Yarbrough zum Beispiel, von so einer Gruppe hat. Er hat allein in diesem Jahr $150.000 gewonnen. Das ist doch nicht schlecht. Wir haben nicht vor irgend etwas bei NASCAR zu ändern,“ fuhr er fort. „Wir werden das Preisgeld bekannt geben, und sie können kommen und fahren, wenn sie wollen. Wenn nicht, ist das ihr Problem. Sie haben keine Arbeitsverträge mit NASCAR. Aber die Burschen sollten sich Gedanken darüber machen, wie weit sie ohne Werkswagen kommen. Ich bin sicher, die Firmen werden niemanden in ihre Wagen setzen, der an Streik oder so was denkt.“ Streik???
„Wir haben überhaupt keinen für einen Streik,“ sagte Petty. „Die PDA hat sich dem Fortschritt unseres Sports verschrieben, und wir suchen die Zusammenarbeit mit NASCAR, den Veranstaltern und anderen, die im Rennsport involviert sind. Wir haben einen Vorstand und offizielle Vertreter gewählt, die mit Hilfe unserer Anwälte die Existenz und Arbeitsfähigkeit unserer Organisation sicherstellen.“