76 Union Oil

„Der führende Wagen kommt an die Box, alle Reifen werden gewechselt, und zwei Kanister Union 76 Benzin eingefüllt.“ Von solchen Szenen mussten sich die NASCAR-Fans von 2004 an endgültig verabschieden. Die Reifen werden zwar immer noch gewechselt, aber der orange Kreis mit der blau-weißen «76», ist seit jeher nicht mehr auf den Bildern zu sehen.
Wenn man sich mit der Geschichte des NASCAR Sports beschäftigt, kommmt man an der Geschichte der Pure Oil Company nicht vorbei. Gegründet 1887, übernahmen 1917 die Dawes Brothers die Firma, mit dem Markennamen Pure Oil. Die Wege von Pure Oil und Bill France Senior kreuzen sich bereits im Jahr 1948. Es wird ein Vertrag unterzeichnet, der das Benzin der Pure Oil Company als Standard für die entstehende Stock Car Serie vorschreibt. In den 60er Jahren gerät Pure Oil nach den langen Preiskriegen der 50er auf dem Ölmarkt in finanzielle Schwierigkeiten. 1965 fusioniert man mit Union Oil, einer Firma die 1890 von Lyman Stewart aus Kalifornien gegründet wurde. Eine alte Werbekampagne der Union Oil, „The Spirit of 76“ mit der die Firma 1932 ihr neues 76 Octan Benzin vorstellte, wurde zusammen mit dem orangen Ball, der ebenfalls aus dem Markenfundus von Union Oil stammt, 1967 mit dem blau-weißen Aufdruck „76“ in ganz Amerika zum Markenzeichen der neuen Firma. Die Welt des Rennbenzins war wieder in Ordnung, und hatte mit Ball auf der Stange auch ein weithin sichtbares Zeichen. Die Herstellung des Treibstoffs erfolgt in einer ehemahligen Pure Oil Raffinerie in Beaumont Texas. Das Benzin von Union 76 wird in verschiedenen Klopffestigkeiten, von 100 bis 118 Octan, angeboten. Zu Begin des NASCAR Sports waren es 108 Octan, seit den 80er Jahren bekommen die NASCAR Wagen Benzin mit der Octanzahl 110 eingefüllt. Die Benzinsorten sind unterschiedlich gefärbt, so fahren die NASCAR Wagen z.B. rotes Benzin. Wird irgendeine Substanz dem Benzin beigemischt, verändert dies die Farbe, und das ist für die NASCAR Offiziellen der erste Hinweis, das hier jemand mogeln will. An jedem Tag eines Rennwochenendes wird das Benzin der Teams in zufälliger Reihenfolge getestet, und mit dem von Union Oil zur Verfügung gestellten Orginal verglichen. Es gibt für die Teams keine festgelegte Menge, sondern alle müßen ihre Bedarfsmenge selber ausrechnen und anfordern. Die Ausgabe erfolgt nur in den uns allen bekannten 22 Gallonen Tankzylindern, und alle Teams müßen auf ihren Fahrzeugen das Markenlogo von Union Oil im Bereich des vorderen Kotflügel/Kühlergrill beidseitig anbringen. Die Firma transportiert das Benzin frühestens eine Woche vor Rennbeginn an die Strecke, wo es in unterirdischen Tanks gelagert wird. Nach dem Ende des Rennens wird die restliche Menge wieder abgepumpt, und zur Raffinerie zurückgebracht. Der Preis für das NASCAR Benzin liegt mit etwa $4,50 per Gallone (1,19 Euro pro Liter) für amerikanische Verhältnisse verdammt hoch, verglichen mit unseren Preisen ist es eher preiswert. Union Oil ist vor noch nicht allzulanger Zeit von ConocoPhillips übernommen worden, wird aber sicherlich mit dem eigenen Logo als Marke in den USA erhalten bleiben. Houston Texas 28.1.2003: ConocoPhillips gibt bekannt, das man es bedauert, die Trennung von NASCAR bekanntgeben zu müßen. Mark Harper, der Marketing Direktor der Firma sagt weiter, “ Aufgrund der veränderten Geschäftstrategie, sehen wir 76uns nicht in der Lage, Vorteile aus NASCAR´s nationaler und internationaler Marketing Plattform zu ziehen. Wir glauben, es ist im beidseitigen Interesse von ConocoPhillips und NASCAR ist, die Rechte an der Bezinversorgung an NASCAR zurückzugeben. Union Oil und Champion Zündkerzen waren die ältesten Sponsoren in der NASCAR-Geschichte. Der Austieg von J.R. Reynolds als Hauptsponsor, und die finanziell unsichere Zukunft vor dem Einstieg von NEXTEL bzw. Sprint, scheinen NASCAR dazu verführt zu haben, anderen Sponsoren die Pistole auf die Brust zu setzen, und mehr Geld herauszuholen. Aber fließen die verlangten Gelder wirklich über die beidseitig aufgeklebten Sticker, die die Leute am Fernseher kaum erkennen können, zurück. Union Oil hat vermutlich erkannt, das alte Freundschaften im Business der heutigen Zeit nicht mehr zählen, sondern nur was es an Geld bringt.
Der erste Ball mit der 76 wurde 1967 produziert. In dieser Zeit wurden die Lackierung der orangen Kugeln von Hand aufgespritzt. In den 60er Jahren wurden auf diese Weise im Jahr etwa 350.000 Stück gefertigt. Ab 1975 wurde das Logo gedruckt, und die Firma Lewis-Frank Specialty Products, Inc. erhöhte die Menge auf 750.000 Stück pro Jahr. Die technischen Möglichkeiten der 80er Jahre erhöhten den Ausstoß auf 1,5 Millionen Stück, die 1993 für die Promotion eines neuen Benzins bis auf jährliche Menge von 2,5 Millionen Stück gesteigert wurde. Heute wird die Produktion der Bälle durch die Erweiterung auf Bereiche wie Basket-, Base- und Football-Bälle die 4 Millionen Marke übertreffen.
Quelle: Insiderracingnews.com – Original vom 03.02.2003 und 21.10.2002

Autor: Reiner Melching

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