NASCAR Saison 1962 – Ford holt die Hersteller zurück auf die Strecke

Im Juni 1957 hatte die Automobile Manufacturers Association einmütig beschlossen, das ihre Mitglieder „freiwillig“ alle Aktivitäten im Motorsport einstellen. Die Resolution war auf Druck der Politik zustande gekommen, die der Meinung war, das Motorsport den Bemühungen um Sicherheit auf den Straßen entgegenstand. Es wurde beschlossen das die AMA Mitglieder, weder aktiv noch passiv, Autorennen oder Veranstaltungen in denen es um Geschwindigkeit oder Motorleistung geht, unterstützen sollten. Gleichzeitig wurde jede Art von Werbung mit PS, Drehmoment und Geschwindigkeitszahlen untersagt.

Firecracker 250Aber die Hersteller wollten verkaufen, und mit Erfolgen in Stock Car Rennen konnte man verkaufen. Die Vereinbarung schien einigen Firmen offensichtlich weh zu tun, vielleicht sogar allen. Schon 1959, nur ein Jahr nach dem Ende der Werksunterstützung wurde über versteckte Hilfen der Firmen gemunkelt. Es war das Jahr als der neue Daytona Speedway seine Tore öffnete und für den Autorennsport in eine neue Ära begann. Die Grand National Serie setze zum Höhenflug an, was Zuschauer- und Medieninteresse anging, und den Herstellern blieb das nicht verborgen. Nur für die AMA blieb der Motorsport Sperrgebiet. Es bedurfte keines großen Einfaltsreichtum von Seiten der Industrie dieses Problem zu umgehen. Das benötigte Material wurde zur Bückware, und technischen Rat gab es von freien, „beratenden Ingenieuren“, die nicht ganz unvermutet nur einen Auftraggeber, mit Sitz in Detroit hatten. Auf den Strecken fuhren die neuesten Modelle und in der Garage Area hatten die besseren Teams ganze Reihen von glänzenden nagelneuen Motoren bereitstehen. Kaum einer hinterfragte diese Dinge und man war allgemein an einem Punkt angelangt, an dem keine Firma mehr das Verbot der AMA beachtete, ohne das es einer laut ausgesprochen hätte.

Am Montag dem 11. Juni 1962 machte die Ford Motor Company Schluss mit dem Versteckspiel. In einem Schreiben an die Automobile Manufacturers Association von Henry Ford II, dem Aufsichtsratsvorsitzenden seiner Firma und turnusmäßig auch gerade Vorsitzender der AMA, erklärte dieser, das die Resolution von 1957 ihre Bestimmung nicht mehr erfüllt. „Dementsprechend,“ so schrieb er, „ist diese Selbstverpflichtung für die Firma Ford nicht mehr bindend. Wir haben die AMA davon unterrichtet, das wir unsere Produkte am Markt nur dann etablieren können, wenn wir alle ihre Qualitäten offen ansprechen. Dazu gehört, gerade für die Firma Ford, auch die Leistungsfähigkeit ihrer Autos.“ Die Reaktionen der anderen Hersteller brachten mehr Konfusion als Klarheit in die Sache, aber die gemeinsame Linie der Hersteller war letztendlich zerbrochen. Nur wenige Wochen später, kündigte die Chrysler Corporation den Vertrieb von Spezialteilen für ihre NASCAR Fahrzeuge an. Einzig General Motors, in der abgelaufenen Saison mit Chevrolet, und in der aktuellen mit Pontiac sehr erfolgreich, wollte sich dem hektischen Treiben nicht anschließen, und erklärte die AMA Richtlinien für weiterhin gültig.

Reaktionen der Nicht-Ford-Fahrer vielen eher skeptisch aus. „Das ganze erscheint mir eher ein Alibi für die ärmliche Vorstellung der Ford in dieser Saison zu sein,“ meinte Chevy Fahrer Rex White. „Ford hat nicht ein einziges wichtiges Rennen seit Darlington’s Rebel 300 im Mai gewonnen. OK, die haben das Wold 600 und Altlanta 500 gewonnen, aber jeder weiß das es mehr mit Glück als mit Leistung zu tun hat.“ Junior Johnson, als Pontiac Fahrer zu dieser Zeit in einer Privatfehde mit Ford verwickelt, legte noch einen drauf. „Die Ford Leute sind sehr schnell mit dem Mund. Wenn die genauso schnell fahren würden wie sie reden, hätten die vermutlich alle Rennen gewonnen.“ In der zweiten Saisonhälfte dauerte es noch 19 Rennen, bevor dem Ford Fahrer Larry Frank ein viel beachteter Sieg beim Southern 500 in Darlington gelang. Der Firma war klar, das für die kommende Saison viel Arbeit auf sie wartete.

Autor: Reiner Melching

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