NASCAR Saison 1960 – Drei neue Speedways und Live Übertragung im TV

Elmo Langley Darlington 1960Auf den Dirt Tracks des Südostens der USA sind NASCAR und seine Grand National Serie geboren und aufgewachsen. Es war einfach ein faszinierender Anblick, die gewaltigen amerikanischen Personenwagen im Drift über alle Räder durch die Kurven dieser Naturbahnen fahren zu sehen. Von 1949 bis 1958 fanden 381 Grand National Rennen statt, 293 davon auf Dirt Tracks mit einer Länge von einer Meile oder weniger. Nur drei Superspeedways gab es in den ersten Jahren von NASCAR, und man mag es kaum glauben, aber zwei davon schlossen 1959 für immer ihre Tore. Auf dem Raleigh Speedway, einem asphaltierten 1-Meilen Oval, drehten NASCAR Stock Cars 1953 erstmals ihre Runden — und 1958 ihre letzten. Das gigantische 1,5 Meilen Dirt Track Oval des Memphis-Arkansas Speedway war nur von 1954 bis 1957 Austragungsort für Grand National Rennen. Einzig und allein Darlington war in den 10 Jahren seines Bestehens mit NASCAR erfolgreich geblieben.

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atürlich gab es paar Traditionalisten die da flüsterten, das NASCAR wie Raleigh und West Memphis untergehen würde, wenn man sich zu sehr auf die Superspeedways konzentriert. Die kurzen Dirt Tracks sind das Rückrad des Stock Car Sports, argumentierten sie, und ohne diese Säule könne die Grand National Serie nicht überleben. NASCAR Präsident Bill France wehrte sich gegen diese Theorie. Er gab zu, das die Dirt Tracks in den kommenden Jahren noch eine feste Größe sein würden, aber er unterstrich auch, das die Superspeedways einen Fortschritt darstellten. Dieser Fortschritt manifestierte sich in der Eröffnung von nicht weniger als drei neuen Superspeedways im Jahre 1960.

B.L. Marchbanks, ein extravaganter Kalifornier, startete den Bau des 1,4 Meilen Steilkurvenovals in Hanford, Kalifornien. Er taufte die Strecke zugleich auf seinen Namen. Marchbanks Speedway führte am 12. Juni 1960 sein erstes Grand National Rennen durch, und die Presse feierte vorab das 250 Meilen Rennen als die größte Motorsport Veranstaltung, die jemals westlich des Mississippi ausgerichtet wurde. Marvin Porter, eine Art wandernder Aushilfsfahrer aus Lakewood, Kalifornien, gewann das Rex White 1960erste California 250 mit einem Rundenschnitt 88,032 mph. Er bekam $2.000 aus dem mit nur $17.425 gefüllten Preisgeldtopf. Der größte Teil des 33 Wagen Feldes setzte sich aus „Pacific Coast Late Models“ zusammen, ein Vorläufer der heutigen NASCAR Grand National Division – West Serie. „Es war einfach zu wenig Geld um uns alle in den fernen Westen zu locken,“ beschreibt Titelverteidiger Lee Petty die Situation. „Alle, die wir auf Punktejagd waren, kamen zusammen und stellten fest, das es besser für unsere Brieftasche wäre, wenn wir nicht den Weg nach Kalifornien und wieder zurück gehen. Nicht für $2000. Jeder wusste, wenn einer dort fahren würde, müssen wir alle hin. Und alle würden gleichzeitig mehr Geld verlieren als gewinnen. Alles was ich weiß ist, das Rex White sich heimlich nach Kalifornien begeben hat,“ erinnert sich Petty. „Er hat auch eine Menge Punkte geholt. Das hat ihm 1960 die Meisterschaft gebracht.“ Rex White wurde achter beim California 250 und sammelte 456 Punkte. Er egalisierte Petty’s 390 Punkte Vorsprung, und gab die Führung bis zum Saisonende nicht mehr ab. Nur 7.000 Zuschauer sahen das Eröffnungsrennen auf dem Marchbanks Speedway. Temperaturen von über 40°C im Schatten waren der Grund für den dürftigen Besuch. Weit mehr als die Hälfte der Fahrzeuge fiel der Hitze zum Opfer. Da auch alle Streckentelefone den Geist aufgaben, beruhte das Endergebnis vom 12. Juni eher auf einer Schätzung als auf Gewissheit.

Nur eine Woche später öffnete der Charlotte Motor Speedway seine Pforten. Strecken Präsident Curtis Turner und Geschäftsführer Bruton Smith wollten für ihr 1,5 Meilen Oval das längste und mörderischste Stock Car Rennen haben. Sie World 600erwogen zuerst eine 501 Meilen Distanz mit dem Zieleinlauf auf der Gegengeraden nach 334 Runden. Doch letztendlich legten sie noch mal 99 Meilen drauf, und nannten das Ganze World 600. Das Rennen, eigentlich am 29. Mai geplant, wurde um drei Wochen verschoben, weil die Bauarbeiten noch im vollen Gange waren. Die Asphaltierung war erst am Morgen vor dem Qualifying abgeschlossen worden. Der Belag hatte keine Zeit durchzuhärten und die ersten Wagen hinterließen erschreckend große Löcher in den Kurven. „Du kannst ’nen ganzen Chevrolet Impala zur Hälfte in einigen dieser Löcher verschwinden lassen,“ witzelte Buck Baker. Mehrmals täglich wurde die Decke ausgebessert und der Flickenteppich ließ die Fahrer das Schlimmste befürchten. „Die meisten Wagen sahen fast wie Panzer aus,“ erinnert sich Lee Petty. „Wie wussten das die Strecke keine 600 Meilen mit 60 Fahrzeugen durchhalten würde. Scheiße, die hat noch nicht mal die vier Runden eines Wagens bei dem Qualifying überstanden. Wir haben dicke Gitter vor die Kühler und die Windschutzscheibe gebaut um die gröbsten Brocken fernzuhalten. Bei den Hinterrädern haben wir Spritzlappen montiert um die Fahrer hinter uns zu schützen.“ Beim Briefing vor dem Rennen bat NASCAR Vorstand Pat Purcell die Fahrer sich von der Freifläche zwischen Zielgerade und Boxengasse fernzuhalten. Es sei keine Zeit mehr gewesen hier Rasen zu pflanzen, und die NASCAR Offiziellen befürchteten dichte Staubschwaden, wenn die Fahrer über diesen Weg an die Box gelangten.

Schon kurz nach Rennbeginn verlor Junior Johnson in Kurve 4 die Kontrolle über seinen Pontiac und pflügte durch das staubige Infield direkt in die Virctory Lane am Anfang der Boxengasse. Mit 10 Meter Absperrkette im Radkasten humpelte der Wagen zu seiner Boxencrew, die sich schnell an die Reparatur machten. Er konnte noch 287 Runden absolvieren, was zum 30. Platz bei 60 gestarteten Wagen reichte. „Kurz darauf drehte ich mich an der selben Stelle, erinnert sich Lee Petty. „Die Zielgerade in Charlotte ist einzigartig, und hat schon einige Fahrer reingelegt. Ich bin zumindest an der Victory Lane vorbeigekommen, die hatte Junior schon abgeräumt. Mit all dem Staub um mich herum hab ich sowieso kaum was sehen können, also hab ich die Augen fest zugekniffen. Als ich sie wieder öffnete sah ich, das ich gleich neben meiner Box zum Stehen gekommen bin. Glück gehabt dachte ich, als meine Jungs den Wagen schnell durchcheckten. Ich konnte weiterfahren und wurde fünfter.“ Johnson wie auch Petty erhielten von NASCAR einen blauen Brief. „Es war drei, vier vielleicht auch fünf Tage später, als NASCAR mir mitteilte, das ich wegen falscher Einfahrt in die Boxengasse beim World 600 disqualifiziert worden sei,“ berichtet Petty. „Und sie disqualifizierten eine ganze Reihe von uns. Echt, was soll ich denn tun, wenn ich direkt in die Box schleudere?“ Zusammen mit Junior Johnson und Lee Petty wurden noch Bob Welborn, Paul Lewis, Lennie Page und Richard Petty wegen dem selben Vergehen disqualifiziert und an das Ende der Ergebnisliste gesetzt. Kein Geld, keine Punkte.

Autor: Reiner Melching

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