NASCAR Saison 1957 – Hersteller verlassen die Tafel – Bill France zahlt

Nach anderthalb Jahren langsam wachsenden Interesses an der NASCAR Serie, waren die Hersteller 1957 bereit zum großen Starterfeld in DaytonaAngriff. Die Automobilindustrie war allmählich dahinter gekommen, das sich gute Platzierungen beim Grand National wunderbar vermarkten ließen. Die Köpfe von General Motors und Ford erkannten, das siegende Stock Cars sehr gut verkäuflich waren. Die Popularität des Grand National und das kostenlose Presseecho waren eine zu große Versuchung für die Detroiter Bosse. Diese Ansicht war an der Basis, der Verkaufsfront, schon länger vertreten worden. Doch obwohl die Chevrolet und Ford Teams ein paar Monate mehr brauchten um zuverlässige und konkurrenzfähige Teilnehmer zu werden, erlahmte das Interesse der Hersteller nicht. General Motors Team Manager Frank J.DelRoy beauftragte Hugh Babb aus Atlanta eine Flotte von Chevrolets für die Saison 1957 aufzubauen. Als Werksfahrer waren in Daytona neben anderen auch Buck Baker, Speedy Thompson und Rex White vorgesehen. Ford’s Anstrengungen lagen in den Händen von Peter DePaolo, dem Indy 500 Gewinner von 1925. Das Ford Team war stark, enttäuschte aber lange Zeit die Erwartungen. Buddy Shuman, ein zurückgetretener Stock Car Fahrer, der Ende der Saison 1956 beauftragt wurde, DePaolo’s Team zu helfen, starb leider am 10. November 1956 bei einem Hotelbrand. DePaolo’s nächste Wahl fiel auf einen kräftigen, zupackenden Mechaniker mit Namen John Holman. Es wurde seine Aufgabe die zerfaserten Enden des Ford Werkteams wieder zu einem starken Seil zu verflechten. Unter seinem Kommando hatte er die Fahrer Fireball Roberts, Curtis Turner, Joe Weatherly, Bill Amick, Marvin Panch und Ralph Moody. Pontiac’s bescheidene Beteiligung wurde von den Fahrern Ray Nichels, Cotton Owens und Banjo Matthews vertreten. Der Kalifornier Bill Stroppe steuerte mit dem Mechaniker Guy Wilson die Mercury Teams. Als Fahrer wurden der Modified Meister Billy Myers und Jim Paschal verplichtet. Das Lee Petty Team setzte auf Oldsmobile, und war durch die starke Stellung des Teambesitzers etwas unabhängiger von den Direktiven aus Detroit.Daytona Sieger Cotton Owens im Ray Nichels Pontiac Zusammen mit Ralph Earnhardt bildete er ein Zweimann Team. Die Plymouth Division von Chrysler setzte unter der Leitung von Ronney Householder, und dem Mechaniker Ankrum „Spook“ Crawford, einen Wagen mit Johnny Allen als Fahrer ein. Der Rest des Feldes wurde aus unabhängigen Teams und Fahrern gebildet, denen die Dollars der Industrie versagt blieben. Sie mussten sich mit den Krümeln begnügen, die aber unvermeidlich sicher vom Tisch der Großen fielen. Es sollte sich niemand etwas vormachen, die Interessen der Automobilindustrie war nicht die sportliche Seite des Stock Car Sports, und die Sporthoheit von NASCAR für sie auch nur Mittel zum Zweck. Sinn der ganzen Mühen waren einzig und allein das Geschäft und das zu verdienende Geld. Das sportliche Interesse beschränkte sich auf die Erzielung immer höherer Verkaufszahlen. Jeder Hersteller hatte Schwärme von Pressesprechern, die ihre Werbetrommeln in Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen schlugen. Die Firmen bauten tolles Material mit mehr Leistung und Zuverlässigkeit als das was der amerikanische Normalverbraucher beim Händler für sein Geld erhielt. Die Werbebotschaften über die Leistungsfähigkeit der eigenen Produkte hielten immer weniger der Wirklichkeit stand. Das Ergebnis waren Halbwahrheiten oder Unwahrheiten, auch in Bezug auf den Stock Car Sport, die Bill France zwangen, ein paar neue Regeln aufzusetzen, die sich mit der Werbung und dem öffentlichen Auftritt ihrer Teilnehmer befasste. Angefangen hatte es schon 1955 an, als Carl Kiekhaefer’s Wagen mit einem großen „Mercury Outboards“ Aufdruck auf die Strecke kamen. Schnell wurde kolportiert das die Lincoln-Mercury Division der Firma Ford mehr von diesem Aufdruck profitiert, als Mr. K’s erfolgreiche Bootsmotoren Firma. Auch Kiekhaefer blieb das nicht verborgen, und so änderte 1956 die Aufschrift seiner Wagen in „Kiekhaefer Outboards“.

Der PS-Krieg war im vollen Gange als die Saison 1957 anlief. Benzineinspritzung und Kompressoren waren erlaubt, solange der Hersteller nachweisen konnte, das Modelle mit dieser Ausrüstung beim Händler käuflich zu erwerben waren. Nur die Direktoren der AMA, Automobile Manufacturers Association, waren beunruhigt über die inzwischen ausschließliche Werbung mit der Motorleistung, die aber nicht gleichzeitig auf damit notwendige Rücksicht und Verantwortung hinwies. Auf den Highways der Nation purzelten monatlich die Rekorde im Hinblick auf die Anzahl der Verkehrstoten, und bei der AMA machte man sich Sorgen über die ungebremst steigende Motorleistung der neuesten Modelle. Um die Mächtigen der AMA zu beschwichtigen, setzte NASCAR Einspritzmotoren und Lader auf die Verbotsliste. Bill France ging sogar noch einen Schritt weiter, indem er jede Autowerbung mit Grand National Resultaten ganz einfach verbot. Firmen die sich nicht daran halten wollten, drohte der Abzug aller Punkte in der Herstellerwertung. Zwei Werke, Ford und Chevrolet, glaubten darüber hinweggehen zu können, und verloren Anfang der Saison 1957 radikal alle Herstellerpunkte.

Autor: Reiner Melching

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