Miss Winston / Miss Sprint Cup

Bereits 1971 führte der damlige Titelsponsor die «Miss Winston» ein. Nach einer kurzen Pause 2004 sind seit 2008 erneut einige Damen im Auftrag von Sprint unterwegs.

Die drei «Miss Sprint Cup» 2012. Foto: ©NASCARDie drei «Miss Sprint Cup» 2012. Foto: ©NASCAR

Sobald der Rennsieger sich in der Victory Lane durch sein Wagenfenster
zwängt, steht eine von ihnen daneben, lächelt bis zu den Ohren,
und klatscht mit reizenden kleinen Handbewegungen Beifall.
Umherfliegenden Tropfen aus Fruchtsaft, Limonade oder Cola weicht sie mit
unaufälligen seitliche Drehungen aus, und entfernt sich dabei nicht
aus der Nähe des Siegers, bzw. viel wichtiger, der Kameraobjektive.

Das «Miss-Winston-Programm» startete im Jahr 1971 beim Wechsel der NASCAR Grand National Serie zum NASCAR Winston Cup. Die jeweilige Miss Winston war innerhalb des Winston Cup die offizielle Repräsentantin für den Hauptsponsor die R.J. Reynolds Tobacco Company.
Die Auswahl zur Miss Winston wurde durch eine Model Agentur im Auftrag von R.J. Reynolds getroffen. Die Auswahlkriterien waren ein Mindestalter von 21 Jahren, die Reisebereitschaft zu allen Rennen der Saison und die Übernahme von Öffentlichkeitsarbeit für die Zigarettenmarke «Winston».

Miss Winston war somit keine «Miss» Schönheitskönigin im herkömmlichen Sinn als Siegerin aus einer klassischen Miss-Wahl, sondern ausgewählte Frauen über eine entsprechende Model Agentur.

1976 - Pattie Huffman. Foto: ©Ray Lamm1976 – Pattie Huffman. Foto: ©Ray LammDie Marketingarbeit umfasste nicht nur die obligatorischen «Victory Lane Kisses», sondern professionelle PR für kooperative andere Sponsoren, Fototermine mit Fahrern und Teams, Autogrammstunden, die Betreuung von geladenen Gästen der R.J. Reynolds Company im Paddock-Bereich, Veranstaltungen für Fans und das Überreichen von Pokalen und Auszeichnungen. Die Repräsentation beschränkte sich nicht nur auf die Rennwochenenden selbst, sondern auch auf Termine während der Vorbereitungen in der Woche und nach den Rennen.

Bei vielen Autorennen im Stock-Car-Motorsport waren schon immer örtliche oder regionale Schönheitsköniginnen oder sogar die «Miss USA» dabei, was man auf zahlreichen Fotos von Siegerehrungen bei allen Rennorganisationen sehen konnte. Viele Teams, Sponsoren und Marken engagierten für ihre eigenen PR-Zwecke Crew Girls wie «The Budweiser Girls» oder die bekannten «Hooters Girls» der Marke Hooters Restaurants.

Pro Saison wurden zwei oder mehrere Frauen zur Miss Winston gekürt, die sich entweder abwechselten oder an bestimmten Rennveranstaltungen des Winston Cup teilnahmen. Einige «Miss Winston» repräsentierten R.J. Reynolds länger als nur eine Saison, die längsten Amtszeiten hatten Margaret Claud-Padgett von 1981 bis 1985 und Rene Perks von 1996 bis 2002. Die Miss Winstons waren bei den Fans genauso bekannt und beliebt wie die Fahrerstars des Winston Cups selbst.

1982 - Margaret Cloud. Foto: ©Ray Lamm1982 – Margaret Cloud. Foto: ©Ray LammVon 1971 bis einschließlich 2003 gab es insgesamt 50 Miss Winstons, die Erste war Marilyn Green von 1971 bis 1973. In der Saison 1973 kamen sogar drei weitere Miss Winston dazu mit Nuneen Hulbert, Sonja Matthews und Marilyn Newsome. Einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte Bepop Hobel als Miss Winston 1974/75, im zweiten Jahr zusammen mit Susan Brinkley und 1976 abgelöst durch Patti Huffman.

In den Folgejahren wurden einige andere Miss Winston bekannt, wie Meredith Blankenship, Renee White, die Derrike Cope heiratete, wie bereits davor Patti Petty und Kyle Petty. Der Crew Chief Andy Petree heiratete Patrice McBride und die bekannteste Ehe zwischen einem Fahrer und einer Miss Winston war 1994 die Heirat von Broke Sealey mit Jeff Gordon. Diese Ehe ging allerdings in die Brüche.

Mit dem Ende des Sponsorings der R.J. Reynolds Tobacco Company für NASCAR endete auch das Miss-Winston-Programm. Die letzten Miss Winston waren Shannon Wiseman 2002/2003 und Brandy DeJongh 2003.

In der Zeit des NASCAR Nextel Cup von 2004 bis 2007 gab es keine vergleichbare PR des Hauptsponsors Nextel Telecommunications.

Unter dem Logo des NASCAR Sprint Cups seit 2008 wurde wieder ein ähnliches PR-Programm aufgenommen und seitdem gibt es die «Miss Sprint Cup». Bisher waren das Anne-Marie Rhodes von 2007 bis 2009, Tabitha Philippe 2008, Paige Duke 2009/10, Monica Palumbo und Amanda Wright 2010. Die amtierenden «Miss Sprint Cup» sind seit 2011 Kristen Beat und Jaclyn Roney.

1981. Foto: ©Scott Baker1981. Foto: ©Scott Baker

Brandy DeJongh
Brandy DeJong erlebte zwei Winston Cup Saisons, als offizielle Repräsentantin für R.J. Reynolds Tobacco Co. Die in Lakewood, Kalifornien geborene Brandy, lebt heute in Waco, Texas, und studiert an der Baylor Universität Journalismus und Kommunikationswirtschaft. Ihr Ziel, eines Tages im Feld der Sportkommentatoren aufgenommen zu werden. Wenn sie nicht gerade an Rennstrecke ist, oder fürs Studium Bücher wälzt, investiert die 24-jährige viel Zeit für ihre preisgekrönten Zuchtpferde. Im Herzen ein Cowgirl, ist ihre größte Leidenschaft, das Rodeo. Erste nationale Aufmerksamkeit wurde ihr zuteil, als sie im Jahr 2000 zur Miss Rodeo America ernannt wurde. Ein ganzes Jahr lang begleitete sie den Tross der professionellen Rodeo Teilnehmer zu den großen Veranstaltungen, von denen es im Jahr genausoviele gibt, wie im Winston Cup. Sie war die erste Bewerberin, die in allen drei Auswahlkategorien, Persöhnlichkeit, Erscheinung und Pferdeverstand, ihre Konkurrentinnen ausstechen konnte. Den Belastungen durch den engen, hektischen Winston Cup Kalender, der neben dem Rennbetrieb auch wöchentliche Autogrammstunden mit den Fahrern vorsieht, ist sie gewachsen. Schon als Miss Rodeo war sie es gewöhnt, das scheinbar unmögliche, die vielen Termine und Veranstaltungen, verbunden mit entsprechend langen und weiten Reisen, möglich zu machen.

Shannon Wiseman
Auch Shannon Wiseman erlebte 2003 ihre zweite Saison als offizielle Repräsentantin für R.J. Reynolds Tobacco Co. Geboren und wohnhaft ist sie in Charlotte, North Carolina, der Hauptstadt des Nascar Sports. Als Studentin der North Carolina Universität in ihrer Heimatstadt, wo sie Werbewirtschaft und Journalismus studiert, hat Shannon nicht viel Zeit für ihre Hobbies, zu denen lesen, schreiben, jogging, tanzen und ihr Computer zählt. Wenn manchen Amerikaner ihr Gesicht bekannt vorkam, so lag das sicher an ihrem Auftritt zum „So You Wannabe a VJ“ Wettbewerb, des Musiksenders MTV. Die Talent Scouts des Senders hatten ein Auge auf sie geworfen, und sie erreichte nach mehreren Ausscheidungen auch das Finale, bei dem sie im Votum der Zuschauer den zweiten Platz errang. Nach dem MTV Experiment, wechselte sie zum Radio, und moderierte Morgensendungen beim regionalen Rocksender WEND (106.5 FM) in Charlotte. Shannon arbeitet gegenwärtig für ein bekanntes Heilbad in Charlotte, wie auch als Fotomodell für Marilyn’s aus Greensboro. Aber die 24-jährige ist mehr als nur ein schönes Gesicht, sie ist auch Besitzerin der Firma Royal Routines, Inc., wo sich Mädchen für professionelle Tanz- und Cheerleader Auftritte fit machen können. Der Job als Miss Winston gibt ihr die Chance viele Teile Amerikas zu sehen und kennzulernen.
Einige haben vielleicht bemerkt, das seit Oktober 2002 die dritte Miss Winston, Cielo Garcia, aus der Victory Lane verschwunden ist. Der Grund dafür hat einen Namen, Jamie McMurray, der in der Saison 2002 für den verletzten Sterling Marlin eingesetzt wurde. Jamie und Cielo waren von 2002 an ein Paar. Einige werden sie sicher bei Jamie´s Sieg im Oktober 2002 in Charlotte gesehen haben. Cielo arbeitet übrigens für die selbe Modell Agentur wie Shannon Wisemann. Jamie ereilte allerdings das gleiche Schiksal wie Jeff Gordon, dessen Ehe mit Brooke Sealy, ebenfalls eine ehemahlige Miss Winston, in die Brüche ging. McMurray war zum Zeitpunkt der Trennung jedoch noch nicht verheiratet.

Quellen: Ray Lamm, NASCAR, Scott Baker, Nascar.com Original-Artikel vom 08.04.2003

Autor: Reiner Melching

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