NASCAR Saison 1966 – Blockaden, Boykotts – und eine gelbe Banane

Smokey YunickUnd der Wagen kam problemlos durch die NASCAR Inspektionen, genauso wie auch Smokey Yunick’s Chevrolet. Bei näheren Hinsehen fiel auf, das die schwarz-goldene Chevelle eine Art Miniaturausführung Lee Roy Yarbrough Chargerdes Serienmodells war. Dazu kam, das der Radstand auf linken und rechten Seite unterschiedlich war, und ein selbstgebauter Spoiler das Wagendach zierte. Während also Johnson’s Ford und Yunick’s Chevy von den Inspektoren durchgewunken wurden, hatten drei andere Wagen mehr Probleme. Der Ford von Bernard Alvarez, den Ned Jarrett fahren sollte, wurde wieder auf den Transporter verladen. Das Team hatte nicht ausreichend Material und Mitarbeiter um all die Punkte zu ändern, die von NASCAR’s Technik Chef, Norris Friel, beanstandet worden waren. LeeRoy Yarbrough und Wagenbesitzer Jon Thorne wurden nach Hause geschickt, weil NASCAR Inspektoren Holzklötze in den Spiralfedern fanden. Diese sollten im Laufe des Rennens herausfallen, und die Wagenfront zur Verbesserung der Aerodynamik absenken.

Cotton Owens, Besitzer des Dodge von David Pearson, der zu dieser Zeit in der Grand National Tabelle in Führung lag, schaute sich alle diese Kuriositäten an. Dann kehrte er in seine Box zurück und machte sich an die Arbeit. Mit einer Vorrichtung konnte nun sein Fahrer mittels eines Drahtseils den Wagen während des Rennens absenken. Chefinspektor Norris Friel pfiff den erfinderischen Owens zurück, und machte ihm klar, das er die Grenzen des Regelwerks einhalten, oder abreisen solle. Owens zog seinen Wagen trotz der Gefahr die Meisterschaft zu verspielen, unter Protest zurück. „Ich werde die bittere Pille schlucken,“ sagte Owens. „Die Vorrichtung brachte den Wagen um ein halbes Inch (1,3 cm) tiefer auf die Straße. Es ist die einzige Möglichkeit mit diesen beiden anderen lustigen Wagen konkurrenzfähig zu sein. Du musst Feuer mit Feuer bekämpfen, insbesondere dann, wenn NASCAR die anderen beiden Wagen fahren lässt. Vielleicht verlieren wir jetzt die Meisterschaft,“ fügte er hinzu. „Aber irgendeiner muss aufstehen und zeigen was Recht ist.“ David Pearson unterstützte seinen Teamchef. „Anstatt die Front des Wagen abzusenken, wie die anderen es machen,“ sagte er, „sollte bei uns der ganze Wagen tiefer liegen. Es war um ein viertel Inch (6,4 mm) zu viel. Tolles Ding. Wenn die anderen schummeln dürfen wir das auch. Wenn die anderen Autos legal sind, ist es unseres auch. Und wenn dieser gelbe Ford legal ist, müssen wir unseren Dodge eben genauso umbauen.“

Bobby Jones, der bei Holman-Moody gefeuert worden war, hatte zum Dixie 500 einen privaten Chevrolet gemeldet. Er ging mit den Teams und ihren sonderlichen Wagen hart ins Gericht. „Wenn Freddy (Fred Lorenzen) und dieser Ford das Rennen gewinnen,“ schimpfte der verärgerte Privatier, „ist das die größte Ungerechtigkeit der NASCAR Geschichte. Irgendjemand muss es mal laut aussprechen, dieser Wagen ist absolut illegal und jeder weiß das. Es hat immer gewisse Schummeleien gegeben, und es gibt sie noch, aber das hier ist die Perversion eines Stock Car.“ Johnson und Lorenzen teilten nicht die Meinung, das mit dem Wagen etwas nicht stimmen würde. „Das ist ein Ford Galaxie,“ sagte Johnson. „Alles was ich sagen kann ist, das Mr. Jones den Mund sehr voll nimmt.“ Lorenzen, der nur sporadisch Einsätze für Junior Johnson fuhr, ergänzte: „Dieser Wagen sieht genauso aus, wie alle Wagen von Junior in den letzten fünf Jahren. Dieser war eine Zeit lang nicht auf der Strecke, und alle scheinen vergessen zu haben, wie er aussah.“

Curtis Turner gewann die Pole in Yunick’s Chevelle mit einer Rekordrunde von 148,331 mph. Lorenzen startete von Platz drei. Beide konnten das Rennen nicht beenden. Turner fiel mit einem Schaden am Zündverteiler in Runde 130 aus, und Lorenzen schlug neun Runden später gegen die Mauer. Turner hatte vor seinem Abgang 60 Runden in Führung gelegen, Lorenzen 24 Runden. Das technische Fiasko von Atlanta rief Besorgnis bei den anderen Veranstaltern hervor. „Wenn diese Wagen in Darlington zum Southern 500 nicht wieder vernünftig aussehen,“ warnte Streckenbesitzer Bob Colvin, „können sie gleich wieder abreisen. Es mag eine interessante Reklame für unser Rennen sein, diese Burschen fahren zu lassen, speziell wenn es sich um große Namen handelt. Aber ich sehe es vom Standpunkt her, was gut für unseren Sport ist.“ Bill France räumte ein das die besagten Wagen nicht den aktuellen Regeln entsprachen. Aber er wollte die Tür nicht zuschlagen vor ein paar der wichtigsten Wettkämpfer, wegen, wie er es nannte, Problemen mit der Grauzone des Regelwerks. „Ich gebe zu das die Regelauslegung in Atlanta nicht ganz sauber war, erklärte er. „Nachdem Fred Lorenzen Johnson’s Wagen in Atlanta gefahren hat, ist die Tür offen für alle Ford Fahrer wieder an Rennen teilzunehmen, wenn sie wollen. Die Sache ist in letzter Minute entschieden worden, und es blieb keine Zeit, dem Wagen eine neue Karosserie zu verpassen. Wir sind bemüht die Regeln einzuhalten und jeder weiß das. Auch Junior Johnson weiß das. Er wird den Ford umbauen und mit einer neuen Karosserie versehen.“

Ford kehrte ein paar Tage nach dem Dixie 500 mit allen Werksteams zurück in die Grand National Meisterschaft. Curtis Turner wurde angeheuert, um den Junior Johnson Ford zu fahren. Sponsor Holly Farms hatte ein wenig Angst um sein Image und wies vorsorglich darauf hin, das der oftmals abenteuerlich gekleidete Turner, für diesen Auftritt bitte einen Fahreranzug tragen solle. So zeigte sich am 18. August 1966 auf dem Columbia Speedway Curtis Turner als Fahrer des Holly Farms Ford von Junior Johnson, in einem feschen Dreiteiler. Seriös gekleidet mit gebügelter Hose, weißem Hemd, Krawatte und Jacket. Turner beendete das 100-Meilen Rennen auf dem dritten Platz. Er hatte die ersten 134 Runden auf dem Halb-Meilen Dirt Track, unter dem johlenden Beifall von 8954 Zuschauern, in Führung gelegen. „Holly Farms sagte mir, das ich einen Anzug tragen sollte,“ erzählte Turner. „Sie haben das ganze nicht näher spezifiziert, also hab ich meinen Besten aus dem Schrank rausgeholt. Heutzutage muß man gut aussehen für seinen Sponsor. Turner wurde kurz darauf von Johnson entlassen, als er sich am 27. August in Winson-Salem zu einem Demolition Derby mit Bobby Allison hinreißen ließ.

Der Chrysler Boykott von 1965 produzierte Momente der Verzweiflung bei Streckenbesitzern, Veranstaltern, Zuschauern und NASCAR. Ein Jahr später versuchte Ford die gleiche Taktik, aber sie konnten die Sympathie der Stock Car Fans nicht für sich gewinnen. Doch Ende 1966 kämpften Ford und Chrysler vor vollen Rängen, wie in alten Tagen. Alles schien wieder so zu sein, wie es sein sollte.

© 1989 Gregory Lawrence Fielden
FORTY YEARS OF STOCK CAR RACING
Deutsche Fassung © 2004 Reiner Melching

Autor: Reiner Melching