NASCAR Saison 1952 – Funkverkehr und Sparring mit der AAA

Seit ihrer Gründung im Jahre 1902 war die AAA (American Automobile Association) die bestimmende Organisation im amerikanischen Autorennsport gewesen. Sie war Veranstalter des größten Rennsportereignisses der USA, dem Indy 500 und organisierte diverse landesweite Meisterschaften für Championship Cars (Indy), Sprint Cars, Midget Cars, Stock Cars und Big Cars. Alle bisher gegründeten Konkurrenzorganisationen, mit Ausnahme der ICMA (International Motor Contest Association) überlebten nur wenige Jahre, und verschwanden schnell wieder von der Bildfläche. Meist war das fehlende Geld schuld, doch es kam auch vor, das die Serie erfolgreich anlief, und dann schnell von der AAA geschluckt wurde. 1952 bereitete sich NASCAR schon auf ihre fünfte Saison vor. Im Gegensatz zu anderen gescheiterten Organisationen, war es Bill France gelungen, eine Steve McGrath im Speedway Car mit DeSoto MotorSerie aus dem Sumpf der illegalen Wochenendrennen von Alkoholschmugglern, zu einer seriösen und erfolgreichen Meisterschaft auszubauen. Die straffe Organisation, (hier redete nur einer), das strenge Regelwerk und der große Zuschauerzuspruch, machten aus NASCAR einen der erfolgreichsten und aufstrebendsten Serien im amerikanischen Automobilsport. 1948 war es nur eine Meisterschaft, die Modifieds, die ausgerichtet wurde. Ein Jahr später kamen die Grand Nationals, anfangs Stricktly Stock genannt, dazu. 1951 wurde die Short Track Serie der Late Models aus der Taufe gehoben, und für 1952 hatte Bill France bereits wieder eine neue Idee. Er kündigte die Ausrichtung einiger Rennen zur sogenannten „Speedway Division“ an. Das Chassis entsprach dem der Indy Cars, nur der Motor musste aus der Serienproduktion der Autohersteller stammen. Bill France war der Meinung, das diese preiswerte Version in den Südstaaten erfolgreich das Gefühl zu vermitteln könnte, das normalerweise den 250.000 Zuschauern in Indianapolis vorbehalten war. Der mittlere Westen war 1952 vollständig aus dem AAA Rennkalender gestrichen worden, weil die lokalen Veranstalter kein ausreichendes Starterfeld zusammen bekamen. Auch sie waren an einer kostengünstigen Indy Car Version interessiert. Das erste Testrennen, ein Einzelzeitfahren, fand im selben Jahr, während der Daytona Speedweeks, auf einem extra abgesteckten 1 Meilen Teilstück statt. Buck Baker, ein etablierter Pilot aus der Modified Serie, gewann den Siegpreis von $1000 für die höchste erreichte Geschwindigkeit. Es dauerte noch bis 10. Mai, bevor das erste offizielle Rennen der neuen Speedway Division in Darlington an den Start ging. Auch hier gelang Buck Baker der Sieg auf einem von einem Cadillac Motor getriebenen Open Wheeler. Sieben Rennen zwischen Mai und Juni, auf wichtigen Strecken wie Martinsville, Atlanta’s Lakewood Speedway, Buck Baker im Speedway Car mit Cadillac MotorCharlotte und Longhorn wurden ausgetragen. Aber mit Ausnahme von Darlington, wo 21 Wagen an den Start gingen, waren die Startfelder kleiner als erhofft. Anfang Juli sträubten sich einige Veranstalter gegen weitere Termine, weil aufgrund eines landesweiten Generalstreiks der Stahlarbeiter, auch die Versorgungslage für die Rennteams kritisch wurde. In einer Presseerklärung schrieb NASCAR: „Aufgrund des ungewöhnlich heißen Sommers, verbunden mit dem lähmenden Einfluss des Generalstreik, haben bedauerlicherweise einige Veranstalter Renntermine auf unbestimmte Zeit verschoben.“ Obwohl der Streik im August endete, fanden keine weiteren mehr Rennen mit der Speedway Division statt. Buck Baker wurde zum Champion, aufgrund der in den sieben Rennen erreichten Punktzahl, gekürt. So blieb die Speedway Division in den Startlöchern stecken, und die AAA, die bemerkte, das ihr Open Wheel Rivale kränkelte, schoss zum Abschluss noch eine verbale Breitseite auf NASCAR insgesamt ab. „Das Komitee der AAA ist entschieden gegen jede Art wilder Serien, und wir glauben, das die Zeit gekommen ist, das diese Pferderennbahn-Gründungen langsam aussterben.“ So plante der neue Southland Speedway in Raleigh, North Carolina, ein asphaltiertes Oval mit überhöhten Kurven, sein Eröffnungsrennen mit einem Meisterschaftslauf der AAA anstelle eines NASCAR Rennens. Erstmals förderte die AAA ein Meisterschaftslauf in North Carolina, seit man 1926 auf dem alten Charlotte Board mal zu einem Showrennen zusammenkam. Um den AAA Vorstoß zu kontern, schob NASCAR schnell ein 200 Meilen Modified Sportsman in Darlington zum selben Termin in den Rennkalender. Das AAA Rennen Raleigh lockte 25.000 Zuschauer, die den Sieg von Troy Ruttman mit zwei Runden Vorsprung vor Jack McGrath bejubelten. In Darlington dagegen, sahen 12.000 Zuschauer nicht nur den Sieg von Curtis Turner in einem 56-Wagen Feld, sondern leider auch den Unfalltod von Rex Stansell. Ein trauriger Sieg der AAA auf dem Schlachtfeld der Rennorganisationen.

Autor: Reiner Melching

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