NASCAR Saison 1950 – Das Kind muss erst mal laufen lernen

Die Stricktly Stock Meisterschaft verliert am Ende der Saison ihren Namen, und wird in Grand National Serie umbenannt. Bill France hatte das Gefühl, das der Name Strictly Stock eher als Überschrift eines Regelwerks taugt, als für eine Serie, die Fahrer und Zuschauer gleichsam begeistern sollte.
Bevor der Terminkalender für die Saison 1950 veröffentlicht wurde, fanden zwei Rennen statt, die, da die 49er Saison schon beendet war, keinen Meisterschaftsstatus hatten. Es began mit Sam Nunis, einem Promotor mit Sitz in Reading Pennsylvania, der auf dem Lakewood Speedway in Atlanta eigene Meisterschaften für Big Cars, Sprint Cars und Stock Cars veranstaltete. Er kündigte an, am 23. Oktober 1949 ein 150 Meilen Rennen für Strictly Stocks in Atlanta auszurichten. Startberechtigt sollte jeder sein, der das 21. Lebensjahr erreicht, und einen gültigen Führerschein vorweisen konnte.
Diese Ankündigung erwischte Bill France kalt in den Vorbereitungen zur Feier für den ersten Champion der Saison 1949, Red Byron. Also unterbreitete er Nunis schnell das Angebot, die Teilnahme seiner NASCAR Fahrer für diese Veranstaltung zu sanktionieren. Das Rennen fand vor der erstaunlichen Kulisse von 33.452 Zuschauern statt, immerhin 60% mehr als das, was die 49er Meisterschaft als größte Zuschauermenge aufgeboten hatte. Tim Flock, jüngstes Mitglied der umfangreichen Rennfahrer-Familie, siegte auf seinem Oldsmobile vor Curtis Turner, und strich ein Preisgeld von $1.650 ein.
Das Event war in seinem Ablauf so erfolgreich, das Sam Nunis zum 13. November 1949 gleich einen weiteren Termin am selben Ort vorsah. Diesmal war Bill France von Anfang an als Mitveranstalter vorgesehen.
Trotz der Tatsache, dass das Rennen, Aufgrund eines Wolkenbruchs, in der 39. Runde abgebrochen, und erst am folgenden Tag fortgesetzt werden konnte, fanden sich wiederum mehr als 22.000 Zuschauer ein. Curtis Turner führte das Feld beim Neustart an, stellte seinen Oldsmobile aber 80 Meilen später mit Motorschaden ab. June Cleveland aus Augusta, Georgia, ein Fahrer, der bisher noch nie in Erscheinung getreten war, lag in Führung, als das Rennen, nun wegen Dunkelheit, beendet werden musste. Cleveland, der auf einem Buick angetreten war, wurde zum Sieger erklärt, und strich einen Scheck über $1.500 ein.
Obwohl beide Veranstaltungen keinen Meisterschaftsstatus hatten, bewiesen sie doch, das Rennen mit Serienwagen große Mengen von Zuschauern anlocken können. Bill France wiederum erkannte, das eine Zusammenarbeit mit konkurrierenden Veranstaltern notwendig war, um die Zukunft seiner Serie sicherzustellen.

Die Central States Racing Association, CSRA, eine Rennserie auf Short Tracks des mittleren Westen, gibt am 5. Dezember 1949 bekannt, ein Rennen über die Wahnsinnsdistanz von 500 Meilen, auf dem neuen Darlington Raceway durchführen zu wollen. Diese Strecke, vom Erdnussfarmer Harold Basington eigentlich als Kopie von Indianapolis im Süden der USA geplant, war aber, da Basington nirgends ein ausreichend großes Areal zusammenkaufen konnte, letztendlich mit 0,75 Meilen, nur eine 1:3 Kopie geworden. NASCAR Präsident Bill France, von Basington ebenfalls eingeladen, war sich nicht sicher, das Serienwagen eine solche Distanz schaffen würden. Seine Angst, das die neue Serie hier zum Gespött der Zuschauer werden könnte, brachte die CSRA und ihr Vorhaben in die Schlagzeilen der Presse.

Am 5. Februar startete die offizielle Saison in Daytona. Harold Kite, erstmals beim Grand National am Start, gewann das Rennen auf einem Lincoln. Es war das erste von 19 Rennen einer absolut spannenden Saison, in der sieben Fahrer, nicht weniger als 10 mal die Tabellenführung wechselten. Titelverteidiger Red Byron übernahm die Führung nach dem 3. Rennen im April in Charlotte und schien auf dem besten Wege zur Titelverteidigung. Doch vor dem Start zum 9. Rennen war die Herrlichkeit vorbei. Byron wurden alle Punkte abgezogen, nachdem er bei einem nicht von NASCAR sanktionierten Stock Car Rennen an den Start gegangen war. Die Strafen waren hart in den Anfangsjahren des NASCAR Sports, insbesondere für Fahrer, die an sogenannten „Outlaw“ Rennen teilnahmen. Ein weiteres Opfer war Lee Petty, dessen 809 Punkte, nur 24,5 Punkte hinter dem Führenden, ebenfalls gestrichen wurden. Er musste im Juli der Saison 1950 wieder komplett bei Null anfangen. Trotzdem reichte es in der Abschlusstabelle mit 1690 Punkten zum dritten Platz. Ohne den Punktabzug hätte er die Saison mit 440 Punkten Vorsprung vor Bill Rexford als Grand National Champion beendet. Doch Red Byron erwischte es noch schlimmer. Nach dem ersten Punktabzug wieder bei Null beginnend, sammelte er in nur vier Rennen 1630 Punkte. Eigentlich genug für den 4. Platz in der Schlusstabelle. Doch der eigensinnige Veteran fuhr Rennen wo und wann er wollte, und so taucht der Vorjahresmeister , nachdem ihm zum zweitenmal alle Punkte abgezogen wurde, in der Grand National Tabelle von 1950 nicht auf.

Autor: Reiner Melching

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