Lost Tracks – Ontario Motor Speedway

Neben Daytona und Indianapolis war der Ontario Speedway eine der bekanntesten und größten Rennstrecken in den USA. Sogar die Formel 1 war zu Gast.

Ontario Speedway 1971. ©RayLammDie NASCAR-Serie auf dem Ontario Speedway 1971. ©Ray Lamm

Der Ontario Motor Speedway in der Nähe der Stadt Ontario, Kalifornien lag etwa 64km östlich von Los Angeles und war die erste Rennstrecke in Nordamerika, die von Beginn an für mehrere Rennveranstaltungen geplant war. Die Konfiguration der Strecke mit einem Rundkurs, ähnlich dem Indianapolis Motor Speedway, einer Infield-Strecke (6,74km) und einem Drag Strip ermöglichte die Austragung von Rennen sowohl für Stock Cars, Indy-Cars, als auch für die Formel 1 oder Dragster-Events. Für die Fans hatte die Rennstrecke eine sehr große Kapazität von 155.000 Sitzplätzen.

Startaufstellung in der Boxengasse des Speedways 1979. ©bakerracingpix.comStartaufstellung in der Boxengasse des Speedways 1979. ©bakerracingpix.com

Die offizielle Eröffnung war im August 1970 und das erste Rennen war das „California 500“ der USAC Indy Cars am 06. September 1970. Im Jahr darauf folgten weitere große Rennen mit dem „Miller High Life 500“ des NASCAR Winston Cup am 28. Februar 1971, dem „Quester Formel Grand Prix” am 28. März 1971 und den „Mattel Hot Wheels Super Nationals” der Dragster am 21. November 1971.

Es geht in die letzte Runde beim Rennen 1979. ©bakerracingpix.comEs geht in die letzte Runde beim Rennen 1979. ©bakerracingpix.com

Die 2,5-Meilen lange Rennstrecke sollte bekannt werden als „The Indianapolis of the West” und wurde mit dem allseits bekannten Indianapolis Motor Speedway verglichen. Die Anstrengungen zum Bau des OMS wurden bereits zu Beginn der 1960er Jahre getroffen in Kooperation mit dem United States Auto Club USAC und Tony Hulman. Als spezielles Geschenk für die Zusammenarbeit wurde ein Stück der Victory Lane in Ontario mit Pflastersteinen des IMS ausgestattet. Bereits in der Konstruktionsphase wurde Wert darauf gelegt, mit den unterschiedlichen Streckenkonfigurationen und dem Infield-Kurs verschiedene Rennen von Stock Cars bis zur Formel 1 veranstalten zu können. Zahlreiche weitere neue Innovationen wurden berücksichtigt. Die Zeit der Superspeedways wurde begründet, in die Streckenmauern wurden Sicherheitsbarrieren eingebaut, moderne Garagen für die Teams erstellt und eine computergesteuerte Anzeigentafel installiert, die in Echtzeit den Fans die Streckenpositionen der Rennwagen im Feld angab. In den überdachten Grandstands gab es VIP-Lounges und mit hohem Marketingaufwand wurden Prominente sowie Schauspieler aus Hollywood wie Paul Newman, Kirk Douglas, John Wayne oder James Garner an die Strecke gebracht.

 Ein Blick auf die Grandstands des Speedways. ©bakerracingpix.comEin Blick auf die Grandstands des Speedways. ©bakerracingpix.com

Durch verstärkte Werbung war das erste Rennen, das „California 500“, mit über 50.000 Tickets schnell ausverkauft. In Sachen Preisgelder und Zuschauerzahlen (bis zu 80.000 Fans bei den Stock Car Rennen) kam der Ontario Motor Speedway gleich nach den Rennen in Indianapolis und in Daytona.

Der „Quester Formel Grand Prix“ 1971 war insofern ein außergewöhnliches Open-Wheeler Rennen, da man europäische Formel-1-Rennwagen direkt gegen die amerikanischen Formel-5000-Renner fahren ließ. Ein Rennen das es in dieser Form nie mehr gab. Sieger des Rennens wurde Mario Andretti auf einem Ferrari 312B Formel-1-Wagen.

Stock-Car-Rennen auf dem Ontario Motor Speedway mit den jeweiligen Siegern waren.

NASCAR Winston Cup:

28.02.1971 “Miller High Life 500” A.J. Foyt, Mercury Cyclone #69 Teleprompter Cable

05.03.1972 “Miller High Life 500” A.J. Foyt, Mercury Cyclone #21 Purolator Filters

24.11.1974 “Los Angeles Times 500” Bobby Allison, AMC Matador #12 Coca-Cola

23.11.1975 “Los Angeles Times 500” Buddy Baker, Ford Torino #15 Norris Ford

21.11.1976 “Los Angeles Times 500” David Pearson, Mercury Cyclone #21 Purolator Filters 20.11.1977 “Los Angeles Times 500” Neil Bonnett, Dodge Magnum #5 Jim Stacy

19.11.1978 “Los Angeles Times 500” Bobby Allison, Ford Torino #15 Norris

18.11.1979 “Los Angeles Times 500” Benny Parsons, Chevrolet Laguna #27 Anderson

15.11.1980 “Los Angeles Times 500” Benny Parsons, Chevrolet Monte Carlo #27 Melling

Programmheft des 1979er LA Times 500Titelseite des Programmhefts 2 Jahre zuvor. ©Andy TowlerProgrammheft von 1974. © J.C HayesDas Programmheft zum Formel-1-GP 1971.

NASCAR Winston Racing West Series:

15.05.1977 “Winston Ontario 250” Gary Johnson, Chevrolet Laguna #44 Noble Auto Parts

13.04.1980 “Datsun 200” Roy Smith, Oldsmobile Cutlass #11 Aircraft Standards

 

USAC National Stock Car Series:

06.03.1977 “Datsun Twin 200“ Jimmy Insolo, Chevrolet Malibu #50

26.03.1978 “Datsun Twin 200“ A.J Foyt, Chevrolet Camaro #51

25.03.1979 “Datsun Twin 200“ A.J. Foyt, Chevrolet Camaro #51

Die USAC Champ Cars Gold Crown Serie fuhr von 1970 bis 1980 insgesamt 19 Rennen auf dem Ontario Speedway. Weitere Rennserien waren ebenfalls auf dem OMS zu Gast. So etwa die NASCAR Late Model Sportsman Serie, IMSA GT-Serie, SCCA Formula 5000, USAC Mini-Indy Super Vee Serie und die NASCAR Grand American.

Eine Ansichtskarte des Ontario Motor Speedway.Eine Ansichtskarte des Ontario Motor Speedway.

Trotz aller Erfolge konnte der OMS nicht neben den etablierten Rennen der USAC Champ Cars in Indianapolis, dem „Daytona 500“ des NASCAR Winston Cups und der Formel 1 in Watkins Glen bestehen und wurde geschlossen. Im Jahr 1980 wurde die Rennstrecke an ein Bauunternehmen, die Chevron Land Company, verkauft und der Asphalt wurde noch im gleichen Jahr für Kosten von 3 Mio. Dollar aufgebrochen. Bereits Mitte der 1980er Jahre entstand auf dem Teil des ehemaligen Turn 4 ein Hilton Hotel und im Laufe der Jahre folgten weitere Gebäudekomplexe. Im Jahr 1988 ereilte das gleiche Schicksal die zweite große Rennstrecke in Kalifornien, den Riverside International Raceway (siehe „Historische Rennstrecken“ im Stockcar-News.de Archiv) und 1997 wurde nur zwei Meilen entfernt der neue California Speedway in Fontana eröffnet.

Autor: Thomas F. Lutz

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