NASCAR Saison 1954 – Abtrünnige Fahrer und ein neues Medium: TV

Tim Flock, jüngster von drei Rennfahrer-Brüdern, war eines der strahlendsten Mitglieder des NASCAR Zirkus. Der schlaksige junge Mann hatte sich für die Saison 1954 mit Teambesitzer Ernest Woods zusammengetan. Sein altes Team, um den Besitzer Ted Chester, für den er 1952 auf Hudson den Grand National Titel holte, war nach dem enttäuschenden Abschneiden 1953 aufgelöst worden. Nun wollten Flock und Woods den Titel mit einem Oldsmobile erringen. Die Daytona Speedweeks im Februar startet Flock mit einem Knaller, indem er das 160 Meilen Rennen mit dem neuen Wagen knapp vor Lee Petty gewinnt. Aber bei einer überraschend anberaumten Inspektion nach Rennende, offenbart sich ein kleiner, unbedeutender Verstoß, gegen die Regeln des Vergaseraufbaus. Der Wagen wird disqualifiziert, Tim Flock als letzter des 62 Wagen Feldes gewertet, und erhält weder Punkte, noch die Siegprämie von $1700. Es war das zweite Mal in 24 Monaten, das Flock ein Sieg in Daytona aberkannt wurde. Seine letzte Disqualifikation ereilte ihn nach einem Sieg in einem Modified Sportsman Rennen, weil sein Wagen dort einen Überrollkäfig aus Holz aufwies. Flock war diesmal so verärgert über den Vorfall, das er schwor, nie wieder Rennen zu fahren. Er verließ das Ernest Woods Team, kehrte nach Atlanta zurück, und eröffnete eine Pure Oil Tankstelle. Tim Flocks Abgang schien zu einem Trend des ersten Teils der Saison zu werden.

Sein Bruder Fonty verließ NASCAR im März, um sich der SAFE (Society of Autosports and Fellowship Education), einer Stock Car Tour Serie anzuschließen. Dafür gab er seinen von vielen beneideten Fahrerjob beim Oldsmobile Team von Frank Christian auf. Vor Ende des Jahres 1954, war es dann Hershel McGriff, der Fonty Flock’s Platz bei Frank Christian eingenommen hatte, der überraschend auch seinen Rückzug vom aktiven Motorsport verkündete, um in die lukrativere Forstwirtschaft seiner Heimat Oregon zurückzukehren. Fonty Flock’s Rückzug entsprang einer Aktion von NASCAR, die allgemein einen üblen Nachgeschmack hinterließ. In einem 100 Meilen Grand National Rennen auf Atlanta’s Lakewood Speedway, am 21. März, waren es Flock, Dick Rathmann, Herb Thomas und Buck Baker, die vor 20.000 Zuschauern das Rennen regelrecht zelebrierten. „Diese vier Jungs haben das beste Rennen geliefert, das ich je gesehen habe. 100 nervenaufreibende Meilen, und die haben sich die ganze Zeit in die Augen sehen können,“ fasste NASCAR Executive Manager Pat Purcell das Geschehene zusammen. Fonty Flock fiel kurz vor Rennende mit einem platten Reifen aus Spitzenquartett heraus. Herb Thomas schlug Buck Baker um eine Wagenlänge, an dessen Auspuff Dick Rathmann als Dritter die Ziellinie überquerte. Sofort nach dem Zieleinlauf wurde Herb Thomas, wegen falscher Ausfahrt aus der Boxengasse, eine Runde abgezogen. Nach der Siegerehrung, wurde bekannt, das dem neuen Gewinner, Buck Baker der gleiche Fehler unterlaufen war. NASCAR zog auch ihm eine Runde ab, wie auch dem drittplazierten Rathmann. Bei ihm wegen eines Fehlers beim Tankstopp. Das brachte Gober Sosebee auf den ersten Platz, und Fonty Flock war auf einmal zweiter. Doch letztendlich nahm NASCAR alle Strafen wieder zurück, und erklärte die Reihenfolge des Zieleinlaufs zum Endergebnis. Zwei Wochen später verließ Fonty Flock die Grand National Serie.

Al Keller's Jaguar XK 140Al Keller, aus Buffalo, New York, war seit 1949 NASCAR Rennen gefahren, konnte aber erst in dieser Saison seinen ersten Sieg, in Savanah, Georgia, feiern. Der vielseitige Fahrer erhielt das Angebot, den Jaguar von Bandleader Paul Whiteman, bei NASCAR’s ersten Ausflug in die Welt der Straßenrennen zu lenken. Ein abgesteckter 2-Meilen Kurs, der zum großen Teil die Startbahnen des Linden Airports benutzte, war, um etwas internationales Feeling zu vermitteln, auch für ausländische Fabrikate offen. Al Keller übernahm mit dem Jaguar XK120 Fixed Head Coupe die Führung auf den letzten 54 Meilen von Herb Thomas‘ Hudson, und sprintete als erster über die Ziellinie. Noch während der Siegerehrung erklärte er seinen Rückzug von NASCAR, um sich der Open Wheel Serie der AAA Indy Cars anschließen zu können. Keller trat fünfmal beim Indy 500 an, mit einem 5. Platz als bestes Ergebnis. Am 19. November 1961 starb er in den Flammen seines Wagens, der beim Rennen in Phoenix, Arizona, die Leitplanken durchbrach, sich überschlug, und Feuer fing.

Autor: Reiner Melching

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