Die 50er Jahre

Rock Around The Clock Am 4. September 1950 ist soweit, die Fahrer des Grand National kommen zu ihrem 13. Rennen der Saison inJohnny Mantz Darlington zusammen. Diese Strecke ist für die Stock Cars einzigartig. Ein 1,25 Meilen langes, vollständig asphaltiertes Oval, mit leicht überhöhten Kurven. Geplant war eigentlich eine verkleinerte Ausführung der Strecke von Indianapolis, doch der hastige Johnny Mantz 1950 in Darlington Kauf von ausreichend Grundstücksfläche scheiterte am Besitzer von einem nahegelegenen See, der nicht bereit war, auch nur einen Meter seines Grundstücks abzugeben. So entstand der erste echte „Superspeedway“ mit dem Makel einer eiförmigen Streckenführung. Die Liste der Sieger, nach 50 Jahren Streckengeschichte, führt Johnny Mantz, auf einem 1950er Plymouth, als ersten Sieger an. Aber auch nach so langer Zeit, gilt die Strecke immer noch als „too tough to tame“ (unbezähmbar).

Viele Ideen und Entwicklungen der Nascar Fahrer an ihren Wagen, wurden von den Automobilfabriken übernommen, und konnten auf diese Weise allen Stock Cars zugute kommen. Radaufhängungen, Federn und Bremsen aus Pick-Up’s, dazu die größeren und breiteren 6-Loch-Felgen, sind die ersten Beispiele. Schon 1952 konnten die Fahrer auf eine Art Rennreifen zurückgreifen, die von der Mineralölfirma Pure Oil hergestellt und verkauft wurden. Im Jahr darauf boten die Firmen Lincoln, Oldsmobile und Hudson sogenannte „Servere Usage Kits“ an, um der alarmierenden Zahl und Radnaben- und Achsenbrüchen Herr zu werden. Einiges fand sich sogar in normal käuflichen Autos wieder, wie dem „Twin H“ Vergaser der Hudson Company, der 1953 für 22 Siege bei 37 Rennen für die Werksfahrer sorgte.

Hudson Rockin‘ Chair Marshall Teague auf Hudson Hornet In den Jahren 1951 bis 1954 war der traditionsreiche Hersteller Hudsonteague_hornet.gif sehr erfolgreich bei Stock-Car-Rennen. Allein in der Saison 1952/1953 fuhr Hudson 27 Siege ein, und das alles mit einem Sechszylinder-Motor, der bei seinen Konkurrenten als schon lange überholt galt. Aber auch sein langgestrecktes „Step-Down“-Design, das mit den verdeckten Hinterrädern bereits seit 1948 die äußere Form des Hudson prägte, galt eigentlich als nicht mehr aktuell. Und doch war der Wagen sehr beliebt, und die sportlichen Erfolge gaben den Fahrern Recht. Seit 1952 hatte der Hudson Hornet einen 5-Liter-Sechszylinder mit 145 SAE-PS. Mit einem „Twin Power“-Paket für 85 Dollar inklusive Doppelvergaser leistete der Wagen 15 PS mehr. Für 385 Dollar Aufpreis konnte der leistungshungrige Hudson Kunde bei seinem Händler auch den „High Performance 7-X“ installieren, mit dem der Wagen durch diverse Tuningteile dann 200 PS auf die Straße brachte.

1958_x-frame.jpgIm Jahr 1955 begann der Hersteller Chevrolet seine Fahrer mit 355-cubic inch „small block“ Motoren zu versorgen, einer Konstruktion, die bis zum heutigen Tag im Nascar Sport verwendet wird. Auch die Einführung der gerippten Aluminium Trommelbremse im Buick Roadmaster stellte 1957 eine wichtige Neuerung dar, weil nun erstmals auch die Bremsleistung der bisher immer nur wachsenden Motorleistung gewachsen war. Mit dem Ende der 50er und dem X-Frame Chassis 1958 Entstehen neuer Superspeedways, brachte General Motors 1958 eine wichtige Neuerung in die Technik der Nascar Wagen ein. Das „X-Frame“ Chassis, mit Spiralfedern an der Hinterachse wurde vorgestellt, welche die bisher verwendeten Kastenrahmen mit ihren Blattfedern ablösen sollten. Doch viele Fahrer waren wahre Meister in der Abstimmung und Justierung ihrer Blattfederpakete und konnten diese Erfahrung nicht so einfach auf Spiralfedern übertragen. Folglich gingen nur wenige Fahrer Anfang der Saison 1958 mit den neuen Rahmen an den Start. Doch innovative Mechaniker erkannten bald das Potential dieser Bauweise, und das letzte Rennen im Jahr 1958 endete mit einem Sieg der neuen Konstruktion.

Junior Johnson Jailhouse Rock Robert Glenn Johnson jr. wurde weit ab von größeren Städten, im Bergland von North Carolina geboren. Um die Geldprobleme während der Weltwirtschaftkrise in den Griff zu bekommen, produzierte die Familie Moonshine (illegalen Alkohol). Die private Destillerie der Johnson’s flog bei einer Razzia 1948 auf, und ging als die größte jemals entdeckte private Produktionsstätte von illegalem Whiskey in die amerikanischen Geschichte ein. Schon als Kind wurde Junior aktiv in den Produktions- und Vertriebsprozess eingebunden. Mit 14 Jahren, dem Alter für die Ausstellung einer offiziellen Fahrerlizenz, begann Junior mit der Auslieferung des Moonshines, meistens nach Yadkinville, etwa 40 Meilen entfernt, zu einem Großhändler. Junior’s Gegenspieler war Sid Carter von der Highway Patrol, der, als einziger Polizist in der Umgebung, jeden kannte, ganz besonders Junior. „Was immer er auch tat, in der Zeit als er mich jagte, alles habe ich gelernt: Rücksichtslosigkeit, Reaktionsvermögen, Schnelligkeit, alles. Irgendwann ging der Kerl nur noch zum Richter, sagte ihm, das ich wieder unterwegs wäre, und schon war ich meine Fahrerlizenz wieder los. Ich sag dir, das war schon ’ne Scheißzeit.“ Nach Addition aller Strafen, hat Junior Johnson 1 Jahr seines Lebens im Gefängnis verbracht. Aufgrund der anhaltenden Schwierigkeiten mit dem Gesetz, konnte er 1957 nur einmal an den Start gehen, gewann aber ein Jahr später schon wieder 6 Rennen, darunter das Herbstrennen in North Wilkisboro. Beim Kampf um die Führung in diesem Rennen, war ein Zuschauer wegen der Fahrweise eines Konkurrenten von Junior’s sehr aufgebracht. Rennorganisator Enoch Staley erinnert sich: „In der folgenden Runde, als der Gegner von Junior wieder die Gerade entlang kam, sah ich einen Gegenstand von den Tribünen, über den Zaun, direkt vor dessen Wagen fliegen, und beim Aufprall in unzählige Teile zerbrechen. Es war ein quart-sized (=0,94 Liter) Einmachglas gefüllt mit besten Moonshine. Wir gehen streng gegen jeden vor, der Teile auf die Strecke wirft, aber das hier war eher lustig, wenn man den Inhalt vom Glas betrachtet. Ich konnte mir nie vorstellen, das ein Mensch sich so ärgern kann, das er ein volles Glas besten Moonshine dafür aufgibt.“ „Und wer war der Täter?

junior_jail1.jpg „If you made a gallon of whiskey, they made $11 in tax on it…How did they expect you to pay $11 a gallon when you only sold it for $4 dollars a gallon?“ –Junior Johnson
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rayfox_juniorjohnson.jpgEnoch Staley grinst breit: „Junior selber hat die Geschichte nie zu Ende erzählt. Der Fan den man dort ins Gefängnis gebracht hatte, war ein Kerl namens Ernest Money… ein Onkel von Junior.“
Trotz der sechs Siege 1958, sowie fünf in der Saison 1959, alle mit Ford, konnte Junior Johnson nie den kriminellen Makel abstreifen, und stand im Jahr 1960 ohne Vertrag da. Er erhielt ein Angebot von Ray Fox, einem anerkannten Nascar Team Junior Johnson und Ray Fox Besitzer und Konstrukteur, dessen neuen Chevrolet zu fahren. „Zu dieser Zeit, waren die Pontiacs das Maß aller Dinge, und beim Training glatt 30 Meilen schneller. Ich bat Ray, sich einen anderen Fahrer zu suchen, doch er versprach, den Chevy schneller machen zu können.“ Nach einer Reihe von Veränderungen am Wagen, beschloss Junior einen weiteren Versuch zu machen. „Cotton Owens überholte mich, und ich setzte mich direkt hinter ihn, an seiner Stoßstange… Und blieb dort !!! Nachdem ich zur Werkstatt zurückgekehrt war, kam Cottons Owens rüber: „Hey Junge, hast die Kiste tatsächlich zum Laufen gebracht?“ Was er nicht wusste, ich hatte hier in Daytona den Windschatten entdeckt.“ Junior Johnson folgte während des gesamten Rennens den führenden Pontiacs. Er tankte und ließ die Reifen wechseln wenn die Pontiacs es taten, und er blieb dran. 10juniorjohnson1.jpg Runden vor Schluss flog dem führenden Pontiac von Bobby Johns die Heckscheibe davon, und Junior gewann mit einem Vorsprung von 23 Sekunden das Rennen in Daytona, der großartigste Sieg seiner Karriere. In der Zeit als Nascar Fahrer von 1953-1966, Junior Johnson als Teambesitzer erreichte Junior Johnson 50 Siege und 47 Pole Positionen, was ihm Platz 8 in der ewigen Bestenliste beschert. Nach seinem Rücktritt als aktiver Fahrer, war er als Teambesitzer ungleich erfolgreicher. In 10 Jahren verhalf er seinen Fahrern zu insgesamt 119 Siegen und 6 Grand National Meisterschaften. 1995 verkaufte er die gesamte Rennsportabteilung an Brett Bodine, und zog sich als Rinderzüchter auf seine 121 Hektar große Farm in North Carolina zurück. Seit der Amnestie 1986 durch Präsident Ronald Regan, sind alle „Straftaten“ der Moonshiner verjährt.
Dem europäischen Publikum wird die Person Junior Johnson durch den Film „The Last American Hero“ mit Jeff Bridges in der Hauptrolle näher gebracht. In seinem ganzen Leben hat er sich nie bei Fans, Fahrerkollegen oder auch Bill France eingeschmeichelt, sondern blieb mit seinem eher finsteren Gesichtsausdruck immer der klassische Bösewicht. Er war ein „Intimidator“, noch bevor Dale Earnhardt diesen Ausdruck zum ersten Mal gehört hat.
Junior Johnson: Brave in Life von Tom Higgins und Steve Waid

Paul Goldsmith Am 19. Mai 1957 wurde das 17. Saisonrennen über 500 Runden in Martinsville gestartet. Bis 50 Runden vor Schluss waren nur noch 4 Fahrer in der gleichen Runde. Die Führung wechselte zwischen Bill Myers auf Mercury und Buck Bakers Chevrolet hin und her. Curtis Turner auf Ford, Paul Goldsmith Langhorne 1956 und der Chevrolet von Tom Pistone folgten dicht dahinter. In der 441 Runde geschah das Schreckliche: Bill Myers und Tom Pistone berührten sich am Ausgang der Kurve, und der Mercury von Bill Myers flog über die Mauer in die Zuschauertribünen. In den Trümmern starb ein 8-jähriger Junge. Im folgenden Monat gab die AMA (Automobile Manufactors Association) eine Erklärung ab, die das Ende von Nascar hätte werden können. „Die Hersteller verpflichten sich, Familienautos nach Kriterien wie sinnvoller Kraftentfaltung, Sicherheit, Zuverlässigkeit und komfortabler Transportfähigkeit zu bewerben, und alle Hinweise und Anspielungen auf Motorleistung, Drehmoment und Geschwindigkeit zu unterlassen.“ Doch die Firmen hatten auch gelernt, wie vorteilhaft sich Siege bei Nascar Rennen auf die Verkaufsargumente der Händler auswirken konnten. Jetzt mussten die „Außenstellen“ der Firmen, wie Petty Engineering für Oldsmobile und Mercury, Hugh Babb und Smokey Yunick für Chevrolet oder die Wood Brothers und Holman-Moody für Ford, zumindest bis 1962, das Eisen allein weiter schmieden. Doch auch Bill France tat alles dafür, das Überleben seines Kindes zu sorgen, indem er intensiv die Veranstalter bei der Suche nach Sponsoren und Geldgebern zu unterstützen.

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Autor: Reiner Melching

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