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| NASCAR und die Wachstumsprobleme |
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| Dienstag, den 17. Juni 2008 um 13:26 Uhr |
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Bill France, "Big Bill" genannt, erkannte das Potenzial einer "organisierten Bootleggership", investierte in den Daytona Speedway und riskierte seine eigene Existenz - startete aber das Erfolgskonzept NASCAR. Bill Jr. brachte Corporate America in den Sport, hatte das Glück des Verbots der Tabak TV-Ads, das Winston in den Cup trieb und das grosse Geld brachte. Derweil wuchs der Sport immer weiter. Nun kommen auf Brian France ganz andere Probleme zu, die NASCAR bei seinem bisher unbegrenzten Wachstum nicht kannte. Fangen wir mit den jüngsten Problemen an: NASCAR ist, davon kann man sich bei der technischen Abnahme überzeugen, ein personalintensiver Sport. Beim Fussball kontrollieren vier Unparteiische den Zustand des Rasens, des Spielgerätes, des Spielfeldes und der Spieler. NASCAR beschäftigt an einem Rennwochenende hunderte von Helfern. Wie in jedem Grossunternehmen kann da nicht mehr jeder Boss persönlich die Hand für jeden Angestelten ins Feuer legen und dann kommt es im Land, das womöglich zukünftig von einem dunkelhäutigen Präsidenten geführt wird, zu rassistischen Diskriminierungen zwischen den Offiziellen - dafür wird NASCAR nun von einer ehemaligen technischen Inspektorin auf mehr als 200 Millionen US$ verklagt. Brian France muss sich damit mal wieder Dingen widmen, die den Sport nicht besser machen, sondern das Drumherum komplizierter. Dabei löst dieses Problem ausserhalb des sportlichen Bereiches nur zwei andere ab, die NASCAR im vorigen Jahr ebenfalls vor Gerichten verhandeln musste. Ein erhebliches Thema war dabei die Exklusivität der Seriensponsoren. Nextel möchte kein siegreiches Auto, gesponsort vom Wettbewerber AT&T in der Victory Lane sehen. Nun räumt NASCAR den Seriensponsoren ein, dass keine neuen Wettbewerber als Fahrzeugsponsoren auftreten dürfen, nachdem ein Seriensponsor eingestiegen ist. Dies allerdings auch erst nach einer äusserst unerfreulichen Streitigkeit zwischen NASCAR selber und dem Sponsor (AT&T) eines Teams (#31, RCR). Ein Veranstalter einer Rennserie, der gegen seine eigenen Investoren klagt ? Unglücklich. Das zweite Problem löste sich anders: Der Kentucky Speedway versuchte sich vor Jahresfrist ein Cup-Rennen zu erklagen - vorher war der Speedway immer wieder an der NASCAR gescheitert, deren eigenen Tochterfirma ISC etwa ein Drittel der Rennstrecken besitzt und damit, an Renntagen, sehr viel Geld verdient. Nun wurde der Kentucky Speedway von ISCs grösstem und noch profitableren Wettbewerber Speedway Motorsports unter Bruton Smith gekauft und das Problem könnte sich erst einmal erledigt haben. Aber NASCAR wird auch hier bald wieder unter Druck kommen, wenn es um die Neuverteilung der Läufe im Kalender geht - sicher. Diese Themen hindern NASCAR immer wieder daran die eigentlich drängenden sportlichen Probleme des Sports anzugehen. Da ist beispielsweise der dramatische Kostenanstieg, der schon lange die Maxime von Big Bill nicht mehr zulässt, dass ein jeder Teilnehmer, der sein Auto vom Transporter lädt auch eine Siegchance haben sollte.Das CoT ist letztlich kaum günstiger, als die alten Cup-Autos. Kein Team baut erheblich weniger Autos, als zuvor. Noch jetzt baut beispielsweise Ganassi neue Nationwide-Autos auf, wo bekannt ist, dass diese Fahrzeuge am Ende der Saison nur noch wenig wert sein werden, da auch Nationwide auf das CoT setzen wird. Top-Sponsorships werden so teuer, dass auch Fortune 500 Companies Probleme bekommen ein Jahr Vollzeitsponsoring auf einem Cup-Auto zu rechtfertigen. Deshalb spalten sich die treuen NASCAR Sponsoren auf und teilen sich lieber Teilzeitsponsorschaften auf Top-Fahrzeugen, als kleine Teams zu unterstützen . Damit gibt es wenige grosse Organisationen, während die kleinen Organisationen (Wood, Morgan-McClure etc.) mit der Zeit verschwinden oder gerade noch vor dem finanziellen Ruin die Lust verlieren. Die Antwort der NASCAR hierauf ist das COT, eine wie sich jetzt zeigt unwirksame Vorgehensweise, bei allen anderen Vorteilen des COT. Nächstes Thema: Die Positionierung der Nationwide-Serie als Nachwuchsserie oder zweite Liga der NASCAR. Der Zugang zu der Nationwide-Serie ist frei und da Cup-Fahrer von Natur aus stressresistente Zeitgenossen sind fahren Cup-Piloten gerne auch Nationwide - insbesondere, wenn beide Rennserien auf der identischen Strecke stattfinden. Seit Jahren hat somit keine wirkliche Nachwuchskraft den Nationwide-Titel gewinnen können. So werden abseits des Cup-Zirkusses manchmal Helden geboren (z.B. 2007 Aric Almirola), die dann in der Folgewoche in der Anonymität eines von reich bezahlten Cup-Piloten dominierten Fahrerfeldes verschwinden. Derweil sind die Hinterbänkler der zweiten NASCAR-Liga bereits heftig unterfinanziert - einige der Autos, die beispielsweise vor drei Wochen bei der Nationwide-Serie in Charlotte an den Start gingen sahen eher aus, wie Seifenkisten. Und auch die dritte NASCAR Liga, die Trucks, kämpfen. Die Entry List für den Lauf an diesem Juni Wochenende bleibt zwei Nennungen unter der Stärke eines vollen Feldes. Die Teams reklamieren auch hier die Kosten. Dazu ist NASCAR auf der Suche nach einem neuen Seriensponsor, denn Craftsman verlässt die Serie nach dreizehn Jahren. Kein einfache Situation für Brian France, der nun diese sportlichen und auch die anderen Themen lösen muss, um nicht Kundschaft an die wiedervereinigte Open-Wheel-Szene zu verlieren.
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| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 13. Oktober 2008 um 11:18 Uhr |







